Fjord
Anmeldedatum: 17.01.2009 Beiträge: 17
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Verfasst am: Mo 28 Sep, 2009 18:21 Titel: Wurzeln höher legen? |
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Ich hoffe, die Frage wurde noch nicht gestellt, falls ja, bitte ich um einen Link.
Mir fällt oft auf, dass die Wurzeln von Bonsais sehr aus dem Substrat herausreichen.
Soweit ich weiß, heißt es bei (normalen) Pflanzen aber, dass man sie beim Umtopfen immer in die gleiche Höhe setzen soll.
Was ist also richtig? Setzt man den Bonsai bei jedem Umtopfen ein bisschen höher, sodass die Wurzeln rausschauen?
Gruß
Michael |
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Der Beppo Junior-Admin
Anmeldedatum: 23.12.2007 Beiträge: 35
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Verfasst am: Mo 28 Sep, 2009 20:28 Titel: |
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Hallo Michael,
bei einem Bonsai ist der sichtbare Wurzelansatz ein wichtiges Element der Gestaltung. Auch große, einzeln stehende Bäume haben nicht selten einen beeindruckenden Wurzelansatz und man kann einige Wurzeln sehen.
Durch den regelmäßigen Wurzelschnitt bei einem Bonsai soll sich ein kompakter, aber flacher Wurzelballen bilden. Wichtig für den Bonsai sind vor allem die ganz feinen Haarwurzeln, denn nur diese nehmen Wasser und Nährstoffe auf. Diese finden sich zumeist an der Unterseite sowie am äußeren Rand des Wurzelballens, welcher fast wie ein umgedrehter Teller aussieht. Diese feinen Wurzeln befinden sich bei einem Bonsai selbstverständlich in der Erde, sonst würden sie innerhalb weniger Stunden absterben. Du siehst lediglich die dicksten Wurzeln, welche teilweise nicht von Erde bedeckt werden.
Durch das regelmäßige Umpflanzen bei gleichzeitigem Wurzelschnitt werden eben diese Wurzeln auch immer dicker. Nach und nach werden sie mit immer weniger Erde bedeckt, auch die Schale wird im Laufe der Gestaltung ja zuerst immer flacher und erst später, wenn die Grundgestaltung abgeschlossen ist, mit laufendem Dickenwachstum des Stammes ganz langsam wieder geringfügig höher.
Es wird sich also zwangsläufig ergeben, daß die stammnahen oberflächlichen Wurzeln im Laufe eines Bonsailebens immer mehr sichtbar werden. Stell' es Dir einfach wie die Erosion der obersten Bodenschicht vor. Passiert ja auch beim Gießen, daß mal etwas Erde weggeschwemmt wird.
Ein gerader Stamm, welcher wie ein Telegrafenmast (keine Ahnung, wen ich jetzt zitiert habe, aber der Vergleich hat mir so gut gefallen, als ich ihn das erste Mal gehört/gelesen habe) aus der Erde ragt, wirkt irgendwie unnatürlich. Aber es ist ein langer Prozess, welcher sich nicht innerhalb eines Jahres bewerkstelligen läßt.
Und wenn es mit dem Stammansatz überhaupt nicht klappen will, weil der Wurzelballen am Baum absolut ungeeignet ist, kann man sogar nachhelfen: Pflanze Deinen Bonsai in ein tiefes Gefäß, zum Beispiel einen großen runden Blumenkübel. Pflanze ihn gerade so tief, wie du Stammlänge planst. Knapp unterhalb der Erdoberfläche drehst Du einen Bonsaidraht einmal fest um den Stamm, direkt an der Erdoberfläche bohrst Du rund um den Stamm Löcher in die Rinde bis durch das Kambium. Natürlich nicht mit der Maschine, sondern schön mit der Hand. Lege dann auf die Erdoberfläche (oberhalb des Drahtes aber unterhalb der Löcher) einen flachen Kragen aus Kunststoff-Folie, eine rund zurecht geschnittene Klarsichthülle wäre gut geeignet. Dann kommt eine etwa einen Zentimeter dicke Schicht gut feuchtes Spagnummoos darauf, es muß über den Kragen bis in die Erde ragen. Ordentlich andrücken! Und nun wieder ein runder Kragen aus Kunststoff, am besten ziemlich dunkel, also ein Stück aus einem schwarzen Müllbeutel oder so, im Durchmesser einige Zentimeter größer als die untere Folie. An den Stellen, an welchen Du mit dem Bohrer die Rinde beschädigt hast, werden nach einer Zeit neue Wurzeln wachsen. Das Spagnum muß dabei feucht gehalten werden, also regelmäßig kontrollieren! Durch die untere Folie können die jungen Wurzeln nicht hindurch wachsen, sondern breiten sich schön waagerecht nach allen Seiten aus, bis sie am äußeren Rand der unteren Folie in der Erde verschwinden können. Nach zwei Jahren etwa kannst Du beide Folien entfernen und beginnen, den unteren Wurzelballen nach und nach zu verkleinern und ein paar Jahre später, wenn die neuen Wurzeln den Bonsai vollständig ernähren können, entfernst Du den unteren Wurzelballen vollständig und schneidest auch das untere Stammstück heraus.
Im Prinzip ist es eigentlich ein Abmoosen, wobei Du ganz gezielt den Aufbau des neuen Wurzelballens beeinflussen kannst.
Beppo |
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