Ausstellung der Bonsaifreunde Osnabrück, 20. Mai 2012

Im Oktober 1985 taten sich einige Bonsaienthusiasten zusammen und gründeten den »Club der Bonsaifreunde Osnabrück e.V.«  Seitdem treffen sie sich regelmäßig, gestalten und pflegen ihre Bäume mit Hingabe und Spaß. Einer der Höhepunkte des Clubs war die Mitarbeit bei der Organisation der Bundes-Versammlung des Bonsai-Club Deutschland 2006. Diese Veranstaltung scheint mir persönlich aufgrund des umfangreichen Rahmenprogramms im gepflegten Kurpark die bislang schönste Veranstaltung des BCD gewesen zu sein.

Am 20. Mai 2012 habe ich die Bonsaifreunde Osnabrück auf ihrer Jahresausstellung besucht:

Bonsaifreunde Osnabrück, Hinweistafel
Verfehlen konnte man den Veranstaltungsort nicht:
Die Hinweistafel der Bonsaifreunde Osnabrück

Der kleine Club hatte eine überraschend umfangreiche Ausstellung organisiert, welche recht locker und mit Witz präsentiert wurde. Die Qualität hat darunter nicht gelitten. Doch zuerst zog es mich zur Stärkung an das Kuchenbuffet. Sofort kam ich beim Kaffee mit den Bonsaifreunden ins Gespräch. Hatte man einige Kontaktpersonen strategisch plaziert, um einem unbedarften Besucher gleich die Berührungsängste zu nehmen? Die Freunde hatten eine offene Atmosphäre geschaffen, in welcher sich jedermann sofort wohlfühlen mußte.

Besonders gut gefiel mir, daß in sehr kleinen Gruppen die frisch erstandene Rohware einiger Besucher besprochen und eine Erstgestaltung vorgenommen wurde. Erfahren und Begreifen direkt am Objekt: Eine gelungene Form der Mitgliederwerbung.

Jetzt aber schnell zur Ausstellung - hier einige Beispiele der zahlreichen Exponate:

Acer palmatum 'Arakawa' auf der Ausstellung der Bonsaifreunde Osnabrück 2012
Acer palmatum 'Arakawa', Korkrinden-Ahorn

Korkrinden-Ahorne sind Zuchtformen von Acer palmatum und entwickeln bereits in jüngeren Jahren eine borkige, von tiefen Rissen durchzogene Rinde. Gut gestaltete, ältere 'Arakawa'-Bonsai sind zumeist der ganze Stolz ihrer Besitzer und besonders spektakuläre Stücke auch in umfangreichen Sammlungen.

Acer palmatum 'Mikawa yatsubusa' auf der Ausstellung der Bonsaifreunde Osnabrück 2012
Acer palmatum 'Mikawa yatsubusa'

Der Fächer-Ahorn 'Mikawa yatsubusa' ist ein schwachwüchsiger, kleinbleibender Ahorn mit dichter Belaubung. Er läßt sich gut allein durch Schnittmaßnahmen gestalten. Besonders bemerkenswert sind die »Etagen«, welche sich aufgrund seiner besonderen Belaubung bereits bei kleinen Bonsai gut herausarbeiten lassen. Die im Sommer sattgrünen Blätter verfärben sich bei ausreichend sonnigem Standort im Herbst zu flammendem Orange. Aber auch im Halbschatten gedeiht dieser Bonsai ausgezeichnet. Nur Staunässe muß, wie bei allen Fächer-Ahornen, tunlichst vermieden werden.

Aesculus hippocastanum auf der Ausstellung der Bonsaifreunde Osnabrück 2012
Aesculus hippocastanum, Rosskastanie

Die Rosskastanie wird aufgrund ihrer sehr großen Blätter nicht sehr häufig als Bonsai gestaltet, wirklich überzeugend sind nur größere Bäume wie dieses gezeigte Exemplar.

Sambucus nigra auf der Ausstellung der Bonsaifreunde Osnabrück 2012
Sambucus nigra, Schwarzer Holunder

Wenn man erst einmal Holunder in der Hecke hat, wird man ihn nur schwer wieder los. Der bis zu 11 Meter hoch werdende Strauch ist reich verzweigt und entwickelt in kurzer Zeit ein ausgedehntes Flachwurzelsystem. Die Beeren lassen sich im Dampfentsafter zu Fliederbeerensaft verarbeiten, ein gesunder und vitaminreicher aber sehr herb schmeckender Saft. Ich mische ihn zur Hälfte mit hochprozentigem Rum und reichlich Kandis. Nun noch etwas lagern und dann habe ich einen prima Likör.

Zurück zum Bonsai: Das Holz des Holunders ist hart und läßt sich nicht biegen. Aber Äste und Zweige sind mit einem weichen Mark gefüllt. So bietet es sich an, Sambucus nigra wie hier zu sehen als »gespaltenen Stamm« (Sabamiki) zu gestalten.

Taxus baccata auf der Ausstellung der Bonsaifreunde Osnabrück 2012
Taxus baccata, Europäische Eibe

Das schwere und haltbare Holz der Eibe läßt sich ausgezeichnet als Totholz gestalten. Jin (entrindete Äste) und Shari (entrindete Stammteile) erstrahlen nach ausreichender Reife und Behandlung mit einem Bleichmittel silbergrau bis weiß und stehen in einem reizvollen Kontrast zur Rinde, welche nach dem Bürsten eine kräftige rotbraune Farbe aufweist.

Während die Gestaltung eines Jin auch von einem Anfänger problemlos in Angriff genommen werden kann, bleibt die großflächige Entrindung des Stammes erfahrenen Gestaltern vorbehalten. Zu groß ist die Gefahr, Saftbahnen zu zerstören, welche zur Versorgung lebender Äste und Zweige nötig sind.

Drachenschale von Martin Englert auf der Ausstellung der Bonsaifreunde Osnabrück 2012
Drachenschale von Martin Englert, Detail

Auf dieser Ausstellung habe ich auch zum ersten Mal die Keramikarbeiten von Martin Englert  bewundern dürfen. Martin brennt seine Schalen in einem Holzbrandofen. Nur im Holzbrand entstehen die unnachahmlichen Oberflächen durch den direkten Einfluß von Feuer, Asche und Salz.

Mit großer Schaffenslust bemalt Martin auch Porzellan im Stil fernöstlicher Tuschezeichnungen, wie diese kleine Schalenauswahl verdeutlicht:

Porzellanmalerei von Martin Englert auf der Ausstellung der Bonsaifreunde Osnabrück 2012
Porzellanmalerei von Martin Englert

Im Mai 2015 feiern die Bonsaifreunde das 30-jährige Gründungsjubiläum ihres Clubs mit einer großen Veranstaltung im Botanischen Garten Osnabrück. Diese Jubiläumsausstellung mit zusätzlichem Programm ist sicher einen Tagesausflug wert.

Startseite Suchmaschine Sitemap Grundwissen Bonsaipflege Bonsai-Techniken Bonsai-Werkzeug
und -Zubehör
Bonsai-Literatur Baumschule Kusamono / Shitakusa Pflanzenschutz Kuriosa Händlerportraits Bonsai-EventsBCI ConventionNRW BonsaitageBCD-AusstellungBonsai-AK BockenemBonsai-AK SteinfurtHai Yama TenNRW BonsaitageHai Yama TenHai Yama TenHermann Pieper Ge­dächtnisausstellungHai Yama TenNRW BonsaitageBonsai-Team BonnMuseo del BonsáiHai Yama TenNRW BonsaitageNRW BonsaitageNRW Bonsaitage Bonsai-News Impressum und
Datenschutzerklärung