Die kleine Ortschaft Enger in Ostwestfalen-Lippe hat sich seit 1982 zu einem Dreh- und Angelpunkt der gesamten deutschen Bonsai-Szene entwickelt. Hier betreibt Hermann Pieper auf dem Gelände der Baumschule seines Vaters und Großvaters den wohl größten Anzuchtbetrieb einheimischer Jungpflanzen zur Bonsaigestaltung: Die Bonsaischule Enger. Für mich Grund genug, diesem Betrieb im August 2006 einen Besuch abzustatten, Gespräche zu führen und einige Fotos zu machen.
Auf inzwischen 20.000 qm Fläche, größtenteils Freiland, teilweise auch überdacht, werden hier jährlich etwa 10.000 Stecklinge bewurzelt, zu Jungpflanzen verschult und auf ein weiteres Leben als Bonsai vorbereitet. Zum Team von Gärtnermeister Pieper zählen Gärtnergesellen, Auszubildende sowie ein Bonsaigestalter. Gern übernimmt Hermann Pieper seine Auszubildenden nach bestandener Prüfung in ein festes Arbeitsverhältnis, denn gelernt ist eben gelernt!
Wie es sich für einen Gärtnermeister gehört, empfängt Hermann Pieper seine Besucher und Kunden mit dem lebenden Firmenlogo in seinem Bonsaigarten.

In entsprechend temperierten Verkaufsräumen werden viele tropische und subtropische Bonsai aller Alters- und Preisstufen präsentiert. Die Verkaufsausstellungen sind geschmackvoll arrangiert und erlauben die intensive Begutachtung eines jeden Bonsai. Das fachlich sehr gut geschulte Personal ist zuvorkommend und beantwortet geduldig alle Fragen.

Bonsai-Werkzeug gehobener und bester Qualität aus japanischer Herstellung wird in großen Glasvitrinen gezeigt, Bonsaischalen in allen Formen und Größen finden sich farblich sortiert in übersichtlichen Regalen. Hier bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt.

Der wahre Reichtum der Bonsaischule Enger aber findet sich in den ausgedehnten Außenanlagen.

Sauber sortiert nach Art, Sorte und Alter finden sich Stecklinge und Sämlinge von Ahorn, Buche, Kastanie, ja sogar Nußbaum sowie allen anderen vorstellbaren einheimischen Bäumen in Kulturtöpfen und Containern. Ältere Bäume stehen im Freiland, gepflanzt in Reih und Glied. Jeden Sommer müssen diese tausenden Jungpflanzen stetig zurückgeschnitten werden. Zudem werden ebenfalls im Sommer die Stecklinge geschnitten und kultiviert. Auf diese Weise trägt das Team um Hermann Pieper Sorge, daß der Nachschub an bonsaigeeignetem Rohmaterial niemals zur Neige geht.
Nun ist es fast überflüssig, abschließend darauf hinzuweisen, daß die Bonsaischule Enger alle benötigten Erdmischungen, vom Kultursubstrat für die Stecklinge bis zur speziellen Mischung für alte Solitäre sowohl zum Eigenverbrauch als auch Verkauf selbst herstellt. Aber auch spezielle Substrate wie Akadama und Keto, welche aus Japan importiert werden müssen, sind hier ständig vorrätig.