Anfang der achtziger Jahre hat Hans-Rainer Kempchen sein damals noch exotisches Hobby zum Beruf gemacht. Er kaufte sich eine kleine Gärtnerei im Ortsteil Veen der Gemeinde Alpen, Kreis Wesel, und handelte fortan mit Bonsai. Viel Wasser mußte den Rhein hinunter fließen, bis er mit viel Geduld in einem großzügigen Gewächshaus einen Garten gestaltet hatte. So entstand im Laufe der Zeit das »Bonsai Zentrum am Niederrhein«, liebevoll gepflegt und immer weiter verbessert.

Leider ist dieser Bonsaigarten zwischenzeitlich geschlossen worden. Die letzten Bonsai aus dem Garten hat Hans-Rainer Kempchen inzwischen in der Bonsai-Galerie in der Essener Innenstadt verkauft. Leicht sei es ihm nicht gefallen, sagt Herr Kempchen, aber er würde schließlich auch nicht jünger und möchte schrittweise in den Ruhestand gehen.
Die Hände ganz in den Schoß legen möchte Hans-Rainer Kempchen allerdings noch nicht. Sein Ladengeschäft mitten in der Ruhrmetropole Essen liegt etwas abseits der großen Fußgängerströme, ist aber recht bekannt. Hier bekommt die eilige Laufkundschaft schnell noch das Verlegenheitsgeschenk eingepackt. Bonsai liegt im Trend und wird besser angenommen als Oberhemd und Krawatte, eine schriftliche Pflegeanleitung gibt es zu jedem Baum.
Wer etwas mehr Zeit mitbringt, bekommt auch zum preiswerten Baum eine fachgerechte Beratung: Fragen des richtigen Standortes werden genauso erörtert wie der richtige Umgang mit Dünger. Selbst beim Umpflanzen hilft der Bonsai-Profi, wenn die Räumlichkeiten auch beschränkt sind. »Einen Workshop kann ich hier nicht anbieten« sagt Herr Kempchen. Aber das wird von seiner Kundschaft auch nicht erwartet. Dennoch, Stammkunden hat Hans-Rainer Kempchen auch in seinem Ladenlokal und wie früher im Garten wird intensiv gefachsimpelt.
Herr Kempchen spricht aus, was viele nur denken: »Die Discounter machen uns den Bonsai kaputt! Meine Kundschaft verlangt nun einmal Bäume für weniger als
Hans-Rainer Kempchen erinnert sich an ein Gespräch mit Paul Lesniewicz: »Es war irgendwann Anfang der neunziger Jahre. Damals sprach Paul als einer der Ersten davon, daß man bald Bonsai wie Blumen kaufen werde. Nach vier Wochen käme der Baum dann auf den Müll und ein Neuer auf die Fensterbank.« Herr Kempchen ist überzeugt, daß so die Zukunft des Bonsai aussehen wird. Er schluckt - und verkauft kurz darauf einem hereinstürzenden Kunden einen Ficus für