Selbstgetöpferte Schalen für Kusamono und Shitakusa

Überraschende Ergebnisse beim Raku-Brand

Um mir meinen Wunsch zu erfüllen und einige eigene Kusamono-Schalen zu töpfern, hatte ich mich vor längerer Zeit zu einem Keramik-Kurs an der Volkshochschule Essen angemeldet. Eigentlich auch nur, um die dortigen Brennöfen nutzen zu können, da sich in der Nähe keine andere Möglichkeit ergeben hat. So werkel ich nun bereits im fünften Semester und hin und wieder gelingt mir tatsächlich ein Gefäß, welches sich zu bepflanzen lohnt.

Als Kursteilnehmer an der VHS muß ich mich zumindest teilweise der Gruppe anpassen und Rücksicht nehmen. Bei der eigentlich von mir gewünschten Temperatur von 1250°C wird normalerweise nicht gebrannt und kontinuierliche Versuchsreihen zur Entwicklung eigener Glasuren sind mir auch nicht möglich. Zudem bin ich mit meinen »Erzeugnissen« sowieso der Außenseiter unter den Kursteilnehmern, welche zumeist figürlich arbeiten und beeindruckende Bildhauerarbeiten erschaffen. Alles kein Problem, das gesellige Miteinander an einem Abend in der Woche ist mir inzwischen wichtig geworden und das ursprüngliche Ziel ist ein wenig in den Hintergrund gerückt.

Dennoch gelingt mir hin und wieder etwas:

Vor der langen Sommerpause bietet sich außerhalb der VHS die Möglichkeit zu einem Raku-Brand. Ute Seidel-Hartung betreut die kleine Gruppe Keramik-Junkies und der Bildhauer Kuno Lange stellt an seinem Atelier in Mülheim einen gasbefeuerten Brennofen und Behältnisse zum Nachreduzieren und Räuchern zur Verfügung. Hier wird einen Samstag lang gemeinsam experimentiert und das Raku-Brennen als Event begangen. Die unvermeidlichen Wartezeiten nutzen wir inzwischen auf meine Anregung zum Bepflanzen selbstgetöpferter Schalen. Nach dem vorsichtigen und respektvollem Umgang mit der glühenden Keramik eine muntere und lebhafte Abwechslung, welche inzwischen schon fast eine Tradition geworden ist.

Die Ergebnisse der Rakubrände in 2014 und 2015 haben mich nicht wirklich zufrieden stellen können. Meine Gefäße waren für meinen Geschmack nicht nur zu dickwandig, sondern auch zu bunt. Im Juni 2016 hatte ich drei kleinere Schalen vorbereitet und wollte mit rudimentärem angelesenem »Wissen« mit der Glasur experimentieren. Die Schalen sind nur grob gepincht. Ich mag die archaische Erscheinung der Beistellschalen als Kontrapunkt neben der strengen Ästhetik einer Bonsaischale.

Beistellschale aus dem Raku-Brand
Die erste Schale aus dem Raku-Brand, nicht zu dickwandig und nicht allzu bunt.

Der von uns verwendete hoch- und grobschamottierte Raku-Ton brennt weiß aus. Ich entschied mich für eine transparente Glasur, welche ich mit ein wenig Kupferpulver aufpeppen wollte. Eine Prise feinstgemahlenes Kupfer habe ich »frei Schnauze« in etwas Glasurschlicker gerührt und diese Mischung mit ein paar Pinselstrichen auf zwei Schalen aufgebracht. Danach wurden die Schalen noch einmal komplett mit unvermischter Glasur übergossen.

Kein Chawan, sondern eine Beistellschale
Die Form eines Winter-Chawan diente mir als Anregung für meine zweite Schale.

Mit dem Ergebnis bin ich doch recht zufrieden. Für eine Nachreduktion waren die beiden Schalen schon zu kalt, als sie endlich zusammen mit einem guten Quantum Heu in den alten Weckkessel durften. Aber es hat gereicht, daß entstandene Rissnetz schön zu schwärzen. Vielleicht hätte ich etwas weniger Metallpulver nehmen sollen, um ein leuchtenderes Grün zu erreichen? Nun, nächstes Jahr werde ich einen neuen Versuch wagen.

Besonders überraschend war die dritte Schale

Eine besondere Überraschung bescherte mir jedoch mein drittes Experiment. Bei dieser Schale hatte ich bereits vor dem Schrühbrand mit dem feuchten Finger etwas Kupferpulver in den lederharten Ton gerieben, schön auf Höhe der Gürtellinie rund herum. Mit einer schmutzig braun-schwarzen Bauchbinde kam das kleine Gefäß aus dem Roh-Brand.

Beistellschale aus dem Raku-Brand mit überraschendem Ergebnis
Die dritte Schale wartet mit einer Überraschung auf

Für den Glattbrand im Raku-Ofen habe ich es mit transparenter Glasur übergossen. Ich hatte keinerlei Vorstellung, ob und was das mal werden könnte. Auch bei diesem Pot war eine Nachreduktion nicht mehr möglich, er hatte sich wie auch die beiden anderen Gefäße schon zu sehr abgekühlt. Geräuchert werden sollte er aber. Groß war meine Überraschung, als ich endlich den dicken, fettigen Rußfilm abgewaschen hatte: Hier hatte ich viel zuviel Kupfer verwendet. Anstatt mit der Glasur zu reagieren und diese zu färben, hat es sich in der unteren Hälfte im Glasfluß lediglich fein verteilt und schied beim Abkühlen metallisch aus. Zumindest ist das meine Interpretation des Ergebnisses, welches ich mangels näherer Kenntnisse nicht anders zu deuten vermag.

metallische Ausscheidungen der Raku-Glasur
Metallische Ausscheidungen im Glasfluß

Diese Schale betrachte ich als Geschenk: Vollkommen unerwartet habe ich nun ein interessantes Gefäß, welches ich gern bepflanzen werde, um zu sehen, wie die Glasur altert. Wird das metallische Kupfer Grünspan ansetzen? Wie werden Huminsäure und Pflanzendünger wirken? Der gebrannte Scherben ist ja porös und früher oder später wird die Zeit Spuren des Gebrauchs hinterlassen. Ich darf nur nicht vergessen, die Schale im Spätherbst rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, denn sie ist natürlich nicht frostfest.

Vielleicht gibt es also irgend wann einmal einen Nachtrag zu diesem Text. Aber bis dahin gehe ich wöchentlich zu meinem Keramikkurs, lasse meine Hände weiter nach Form und Struktur suchen, probiere etwas abseits der käuflichen Fertigglasuren, werfe einen Teil der Ergebnisse in den Müll, verschenke einen anderen Teil, bepflanze hin und wieder eine Schale und freue mich bereits jetzt auf den nächsten Raku-Tag. Ach ja, und zahlreiche kleine Stauden wollen zwischendurch auch noch besorgt werden.

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